Grundregeln des Familienstellen

Wer zuerst kommt, zählt zuerst

Zuerst geborene Personen im System haben Vorrang und müssen dort geachtet werden. Kinder, und solche bleiben wir für unsere Eltern ein Leben lang, kommen in dieser Ordnung nach ihren Eltern. Als Kinder dürfen wir klein sein und von den Eltern nehmen, die Eltern sind immer die Gebenden.
Dies klingt eigentlich selbstverständlich – und doch ist es oft so, dass Eltern durch ihr eigenes schweres Schicksal dieser Aufgabe nicht gewachsen sind.
Dann tragen die Kinder einen Teil des Schicksals um ihren Eltern zu helfen und können im Extremfall sogar deren Aufgaben übernehmen.
Kinder können gar nicht anders, als dieses Vakuum zu füllen. Sie tun dies aus Liebe zu ihren Eltern.
Dieses Muster bleibt in der Regel ein Leben lang mehr oder weniger erhalten. Oft führt es dazu, dass die längst erwachsenen Kinder in einer kindlichen Liebe an den Eltern hängen und nicht frei für ihr eigenes Leben sind. Sie haben dann Probleme in ihrer eigenen Partnerschaft und Familie – oder sie wenden sich irgendwann verbittert ab.

Jeder hat das gleiche Recht auf Zugehörigkeit

Dabei ist es wichtig, dass alle Familienmitglieder einen Platz im System haben. Unabhängig davon, was sie tun oder nicht tun. Oft haben Familienmitglieder ihren Platz verloren, weil sie etwas Schlimmes, wie Kindesmissbrauch, Diebstahl, oder gar Mord, getan haben. Das geschieht auch oft durch Verleugnen oder Vergessen, wenn sie behindert oder zu früh verstorben sind.

Es gibt so etwas wie eine Familienseele, die dafür sorgt, dass kein Familienmitglied vergessen oder ausgeschlossen wird. Geschieht dies doch, so verhält sich oft ein Nachgeborener so wie dieses ausgeschlossene Familienmitglied. Er folgt ihm in seinem Verhalten nach und macht dadurch so lange auf sich aufmerksam, bis jemand aus diesem System in einer Aufstellung hinschaut, und diese Person als Mitglied der Familie gesehen und gewürdigt wird. Erst wenn jedem Familienmitglied das Recht der Zugehörigkeit anerkannt wird, können diese Verstrickungen gelöst werden und die betroffenen Familienmitglieder bekommen ihren Platz. Das führt zu einer Harmonie im System und in weiterer Folge lösen sich meist auch daraus resultierende Probleme.

Das Recht auf Ausgleich

Jeder hat das Recht auf Ausgleich. Geben und Nehmen sind Grundbedürfnisse in unserm Leben. Wenn man etwas bekommen und genommen hat, fordert das Gewissen einen Ausgleich. Beziehungen und Unternehmen gelingen, wenn Geben und  Nehmen im Einklang sind.

In der Liebe entsteht meistens das Bedürfnis, etwas mehr zu geben als man bekommen hat – damit wächst die Liebe. Wenn jedoch der eine mehr gibt als er zurückbekommt, ist der Fortbestand der Beziehung gefährdet.

Einen Ausgleich zwischen Geben und Nehmen gibt es nur zwischen gleichwertigen Partnern. Zwischen Eltern und Kindern gibt es diesen Ausgleich nicht. Hier sind die Eltern die Gebenden. Statt ihnen etwas zurückzugeben, gibt man es an eigene Kinder weiter. Gibt es keine Kinder, engagiert man sich für eine gute Sache.

Weiterführende Infos auf der Webseite von Bert Hellinger